[In Memoriam] Frank McCourt (19.8.1930 – 19.7.2009)

„Frank McCourt’s book ["Angelas Ashes"] is deeply moving, for his searing story is true. No one has ever written about poverty or childhood like this. That Frank McCourt lives to tell the tale is amazing. That he could create out of such squalor and misery a flawless masterpiece is nothing short of miraculous.“ (Pulitzer Homepage)
[Literatur und Film] David Yates: Harry Potter and the Half-Blood Prince

Ich gestehe, Rowlings Band Nr.6 „Harry Potter und der Halbblut-Prinz“ war ein stilistisch wenig anspruchsvolles und dem inneren Kind wenig entsprechende Abenteuergeschichte mit zu viel Dramatik, zu viel Gefühl, zu viel Kitsch. Zu einer Soap Opera hatte sich das Buch entwickelt – Wer mit wem? Und wenn ja, bleiben sie als Paar liiert oder trennen sich? Zu wenig Kampf von Gut gegen Böse, zuviel vom Kampf der Geschlechter. Die Suche nach den Horkruxen wurde zur Nebensächlichkeit, Dumbledores Ableben nur in zwei kurzen Sequenzen behandelt. Nur, wie strukturiert und in der Darstellung einladend kann David Yates (Director) in Zusammenarbeit mit den Darstellern Daniel Radcliffe, Emma Watson, Rupert Grint, Alan Rickman und Helena Bonham Carter mit einem Drehbuch von Steve Kloves dem Buch eine angemessene filmische Umsetzung darbringen?
Der Film entwickelt sich fast zu einer Satire über geschlechtsreife junge Menschen, die ihre Liebe zum anderen Geschlecht bzw. zu bestimmten Vertretern dessen entwickeln. Ob es nun Lavanders „Won-Won“ ist, Cormac McLaggans „Tentakelarme“ oder aber Gespräche zwischen Harry und Ron, inwiefern Haut eine ausschlaggebende Komponente bei der Partnerwahl ist. („She has nice… skin.“ – „So you think he is going out with her because she has nice skin?“ – „It contributes.“(imdb.com)) Konflikte, die dabei entstehen, treten in den Vordergrund, eigentliches Potential verschenkt, erkennbare Emotionen, die mit den dargestellten Emotionen nicht koorperieren in der Darstellung nicht vertieft. Viele Ideen, viele Szenen bleiben nur an der Oberfläche, so bleibt nach dem Film mehrere Fragen offen, z.B. welche Horkruxe es gibt, wie Harry sie finden kann, wie man sie zerstören kann bzw. die zwei Möglichkeiten, wie die Prophezeiung sich erfüllen kann.

Ich weiß dennoch sehr viel Positives zu berichten: Die Figurendarstellung bleibt immer ambivalent, so ist Draco Malfoys (Tom Felten) Zweifeln an seinem Handeln deutlich in seiner Körpersprache zu lesen, seine Aussagen „the Chosen One“ zu sein ein guter Gegenpart zu Harry selbst. Beide haben Ängste, beide haben keine Ahnung, wie sie damit umgehen können. Das wird in der Charakterisierung und Umsetzung der Figuren sehr deutlich. Beide bekommen mehr Profil, mehr Möglichkeiten sich darzustellen. Auch die Darstellung von Traurigkeit, von Sehnsucht, von all den negativen und auch positivem Gefühlsarsenal, welches man im jugendlichen Alter so kennen lernt, gelingt, vor allem beim Liebesgeplänkel zwischen Ron und Hermine. Nur Ginny bleibt in ihrer Rolle sehr farblos, sehr wenig präsent, Bonnie Wright hat mich bisher nicht von ihrer Leistung überzeugt – Zu wenig ist sie in ihrer Rolle aktiv, zu wenig ist sie Ginny Weasley und nicht Bonnie Wright. Auf ganzer Linie überzeugt hat mich da, wenn auch nur wenig in Szene gesetzt, Evanna Lynch alias Luna Lovegood.

David Yates bewies sehr viel Geschick bei der Auswahl seiner Kamera-Besetzung, so sind Schnitte sehr fein gesetzt, sehr fließend und viele Szenen wissen so zu überraschen. Auch die Special Effects (die einstürzende Brücke, der brennende Fuchsbau) begeistern den geneigten Zuschauer, viele Szenen hält man sich an seinem Kinosessel fest, man erwartet mit Spannung, wie es weiter geht, wie sich die Figuren entwickeln – Wird Draco seine „Aufgabe“ erfüllen? Was hat es mit Slughorns Geheimnis auf sich? All das entwickelt sich sehr langsam, sehr rätselthaft und ist somit sehr gut umgesetzt.
Mir fehlte dennoch so einiges: Figuren wie Bill Weasley oder Fleur Delacour wurden erst gar nicht eingeführt, auch Snape als Lehrer im Schulfach „Verteidigung gegen die dunklen Künste“ findet nur eine Erwähnung, die Beziehung zwischen Remus Lupin und Tonks existiert bereits. Mir ist bewusst, es müssen Änderungen vorgenommen werden, um den Film spannend und actiongeladen gestalten zu können, auf einige Dinge also zu verzichten ist normal, eine Buchumsetzung 1:1 völlig unmöglich – Ich bin mir dessen bewusst. Gefehlt haben sie dennoch, weil dies Beziehungen und Ideen in der Buchreihe waren, deren Umsetzung mich sehr gereizt hätte. Z.B. ein fulminanter Endkampf, eine Gegenwehr.
Irgendwie war es seltsam zu beobachten, dass Bellatrix und ihre Anhänger durch das Verschwindekabinett Hogwarts so einfach infiltrieren konnten, unbehelligt bis zum Astronomieturm gelangten und auch so wieder verschwanden. Kein anderer Schüler / keine Schülerin war aufzufinden. Allerdings von dem Aufprall eines einzelnen Körpers aufgeschreckt, erscheinen alle und erheben ihre Zauberstäbe… Etwas merkwürdig mutet das an, wenn man mich fragt.
Davon abgesehen, eins kann man jedenfalls nicht sagen: das der Film langweilig ist. Er ist action-geladen, voller Humor und guter Charaktere. Spannung und Unterhaltung kommen nicht zu kurz. Und auch für Menschen, die die Buchreihe nicht gelesen haben, lassen sich viele interessante Aspekte finden. Es war ein kurzweiliges, sehr gutes Filmvergnügen.
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Gegenpositionen:
libromanie – All you can read
El Tragalibros – der Bücherwurm
Bücherwurms Blog-Welt
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[Stöckchen] „… kein schlimmerer Dieb als ein schlechtes Buch“
„Gewisse Bücher scheinen geschrieben zu sein, nicht damit man daraus lerne, sondern damit man wisse, dass der Verfasser etwas gewusst hat.“
(Johann Wolfgang von Goethe)
„So etwas wie moralische oder unmoralische Bücher gibt es nicht. Bücher sind gut oder schlecht geschrieben. Weiter nichts.“
(Oscar Wilde)

In jedem Weblog, in in jedem Forum, jeder Tageszeitung, jeder Bücherzeitschrift gibt es eine Sektion – Sie heißt entweder „Unwürdige Lektüren“ (Volltext) oder aber „Überschätzte Bücher“ (BÜCHER-Magazin), egal ob es sich um allseits bekannte Bücher handelt (Bücher die scheinbar „jeder“ mag – nur du nicht. (Büchereule)) oder aber um Bücher, die man nicht einmal beendet, ergo abgebrochen hat (Ich habe abgebrochen… Welche Bücher habt Ihr weggelegt? (Büchereule)).
Das Interesse an Büchern, die keinen Anklang finden, ist hoch, scheint doch bei manchen Büchersendungen wie Schecks „Druckfrisch“ oder aber Heidenreichs „Lesen!“ (Lilly Berrys Diskussion zu „Meyer – grottendämlich?“) nicht im Vordergrund die Interviews oder Buchbesprechungen zu stehen, nein, seine / ihre Bewertung der Bücher und deren Autorinnen und Autoren, z:B. von der SPIEGEL-Bestseller-Liste erhitzt die Gemüter.
Schlechte Bücher faszinieren auf ihre Art und Weise. Jeder hat zumindest in seiner Laufbahn als Leser bzw. Leserin ein Buch gelesen, welches er als schlecht rezipierte. Vielleicht war es schlecht geschrieben? Vielleicht die Geschichte unlogisch – sogar unmoralisch? Hatten die Charaktere kein Identifikationspotential? Waren sie schlecht beschrieben oder sogar unsympathisch, ihr Handeln nicht nachvollziehbar, ihre Rolle unklar definiert? Lag es an der grafischen Gestaltung (Cover als Beispiel)?
Was macht für euch ein schlechtes Buch aus? Was sind eure Bewertungskriterien für Literatur bei diesem Aspekt? Welches Buch werdet ihr nie wieder in die Hand nehmen und auch nicht weiter empfehlen? Und warum? Oder aber gibt es Bücher, die sich auf den ersten Blick als Fehlkäufe erwiesen haben, die ihr in einem bestimmten Alter gelesen und als schlecht befunden hat und das hat sich, bei erneuter, vielleicht zufälliger Lektüre, geändert? Haben sich eure Vorstellungen, was ein gutes bzw. ein schlechtes Buch ausmachen, geändert? Oder gibt es Autoren, die ihr automatisch, ohne auch nur ein Buch von ihnen gelesen zu haben, nicht in die Hand nehmt und vor allem, warum?
Ich freue mich auf eure Beiträge zu meiner ersten Blogparade!
Beiträge:
Michele Rassinger / Astrid Walter: Leselust – Bücher, Bücher, Bücher
LeseLustFrust
Lilly Berry
Nomadenseele
el tragalibros
Mein Bücherreich
[SUB] vorablesen.de-Gewinn
Soeben erhielt ich eine E-Mail vom vorablesen.de-Team, in der mir folgendes mitgeteilt wurde:
„Wir haben Deinen Namen bei der Vorablesen.de-Verlosung zu „Das Lesen der Wünsche“ von Thomas Glavinic aus dem Lostopf gezogen, d.h. Du bekommst in den nächsten Tagen ein Vorab-Exemplar des Buches zur Rezension zugeschickt. „Das Lesen der Wünsche“ wird Anfang nächster Woche per Post verschickt [...].
Seit der Lesung von Thomas Glavinic im November 2008 (Er hatte in Villach „Das bin doch ich!“ vorgestellt und daraus auch gelesen.) lese ich immer wieder nach, ob es nicht eine Neuerscheinung seinerseits gibt und tatsächlich, am 6.Juli konnte man bei vorablesen.de eine Leseprobe seines neuen Romans „Das Leben der Wünsche“ genießen.
Ich freue mich sehr sehr stark über mein Exemplar und auch den kommenden Lesegenuss.
Hier noch einmal das Titelbild und die Inhaltsangabe für Interessierte:

„Stellen Sie sich vor, Ihre geheimsten Wünsche würden wahr. Die innersten, dunklen Wünsche, von denen Sie selbst bisher nichts ahnten. So ergeht es Jonas, dem ein Unbekannter eines Tages ein unerhörtes Angebot macht: „Ich erfülle Ihnen drei Wünsche.“ Der Ehemann, Vater, Werbetexter und leidenschaftliche außereheliche Liebhaber lässt sich auf das Spiel ein. Bis seine Frau eines Abends tot in der Badewanne liegt. Weiß die Nacht etwa mehr von Jonas’ Wünschen als er selbst? Unverwechselbar erzählt der in Wien lebende Schriftsteller Thomas Glavinic die Geschichte eines ganz normalen Mittdreißigers, der genau das bekommt, was er sich wünscht. Und noch ein bisschen mehr.“ (Amazon.de)
Mehr Informationen:
Hanser-Verlag (Kurzinformationen, Leseprobe)
[Zitate] Sue Monk Kidd: Die Bienenhüterin
„Die Leute, die glauben, dass der Tod das Schrecklichste ist, haben keine Ahnung vom Leben.“ (S.7)
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„Hinter der grauen Fassade unserer mühseligen Tage verbergen sich lauter prächtige Wunder, wir ahnen es nur nicht.“ (S.74)
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„Geschichten müssen erzählt werden, denn sonst sterben sie, und wenn sie sterben, versinkt mit ihnen unsere Erinnerung, wer wir sind und warum wir hier sind.“ (S.120)
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„“Weißt du, manche Dinge sind einfach nicht so wichtig. Wie die Farbe eines Hauses. Wie wichtig ist das wirklich, gemessen an allem anderen im Leben? Aber jemanden Freude zu bereiten – das, das ist wichtig. Das Problem mit den meisten Menschen ist nur…“
„Sie wissen nicht, was wichtig ist und was nicht“, beendete ich ihren Satz und war darüber sehr stolz.
„Ich wollte eigentlich sagen, das Problem ist, dass sie zwar WISSEN, was wichtig ist, aber sie entscheiden sich nicht, es auch zu TUN. Weißt du, wie schwierig das ist, Lilly? [...] Das Schwierigste auf der Welt ist, das, was wichtig ist, auch zu tun.“" (S.165)
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„Jeder Mensch auf dieser Erde hat so eine Stahlplatte im Kopf, nur wenn man sich ab und zu hinlegt und ganz ruhig ist, dann geht sie auf, in etwa so wie eine Aufzugtür, und dann können all die geheimen Gedanken eintreten, die während der ganzen zeit geduldig herumgestanden und auf eine Fahrt in unser Oberstübchen gewartet haben. So richtig schwierig macht man es sich eigentlich erst selbst, wenn nämlich diese Türen zu lange verschlossen bleiben…“ (S.191)
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„Denn im Grunde genommen, Lilly, ist die Liebe das Einzige, das bedeutend genug ist, unserem Leben einen Sinn zu geben.“ (S.319)
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aus: Sue Monk Kidd, Die Bienenhüterin, btb-Verlag in der Verlagsgruppe Random House GmbH, 6.Auflage, April 2005, München
[Stöckchen] What kind of reader are you?
Gefunden bei Daydreaming and Dreaming – Vom Schreiben und Lesen:
| What Kind of Reader Are You?
Your Result: Dedicated Reader
You are always trying to find the time to get back to your book. You are convinced that the world would be a much better place if only everyone read more. |
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| Literate Good Citizen | |
| Obsessive-Compulsive Bookworm | |
| Book Snob | |
| Fad Reader | |
| Non-Reader | |
| What Kind of Reader Are You? Quiz Created on GoToQuiz |
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[Blog-Aktion] SUB-Losverfahren – Mein Los ist…
Wie funktioniert es?
Jeder bekommt eine Zahl – die sich im Rahmen seines SuB-Standes bewegt – genannt und dieses Buch wird dann gelesen. Vorher wird natürlich besprochen, wer die Glücksfee für den jeweils anderen ist. ^^ [...]
Die Aktion ist zu Ende, wenn alle ihre Bücher gelesen haben. Dabei gibt es keinen vorgegebenen Zeitraum, aber es sollte sich schon in einem angemessenen Rahmen bewegen (also 2 Monate wären doch etwas zu lang… ) . Danach wird dann wieder neu ausgelost (und das lässt sich so lange fortführen, bis keiner mehr einen SuB hat: Also wohl ewig ). Aussteigen kann man natürlich jederzeit. (Kari)
Meine Losfee war Katha, die für mich die Nummer 205 gezogen hat.
Und meine Nr.205 in einem SUB von 450 Büchern ist:

Gekauft? Vor ungefähr sechs bis acht Monaten.
Warum gekauft? Viele positive Rezensionen bzw. Reaktionen, darunter die von Nina, Stefanie Emmy und Liisa.
Warum nicht gelesen? … eine gute Frage.
[Rezension] Alan Bennett: Die souveräne Leserin

Über den Autor:
Alan Bennett, 1934 in Leeds geboren, wurde bekannt durch seine TV Comedy-Revue „Beyond the Fringe“ sowie durch die 1987 unter dem Titel „Talking Heads“ von der BBC gesendeten Monologe. Neben zahlreichen Theaterstücken – unter anderem eine Theaterfassung des englischen Kinderbuchklassikers „Der Wind in den Weiden“ – und seinen Arbeiten für Fernsehen und Rundfunk schreibt Bennett seit Mitte der neunziger Jahre auch Prosa.
Weitere Informationen:
Wikipedia
Perlentaucher
Klappentext:
Wer hätte gedacht, dass eine Liebeserklärung an die Queen und die Literatur so gut zusammenpassen? Die Hunde sind schuld. Beim Spaziergang mit der Queen rennen sie los, um den allwöchentlich in einem der Palasthöfe parkenden Bücherbus der Bezirksbibliothek anzukläffen. Ma’am ist zu gut erzogen, um sich nicht bei dem Bibliothekar zu entschuldigen, leiht sich ebenfalls aus Höflichkeit ein Buch aus – und kommt auf den Geschmack.
Die Auswirkungen der majestätischen Leselust sind unvorhersehbar, die Grundfeste des Buckingham Palace werden jedenfalls gehörig durcheinander gewirbelt und für den Leser bleibt kein Auge trocken.
(entnommen von Amazon.de)
Meine Meinung:
Die Hunde haben die Schuld. Beim Spaziergang durch den Park des Buckingham Palace entdeckt die Queen einen „Bücherwagen“ der örtlichen Bibliothek. Pflichtbewusst wie sie ist, ohne den Bibliothekar beschämen zu wollen, leiht sie sich ein Buch aus. Queen Elizabeth stellt sehr schnell fest, dass sie es mit sehr zäher, trockener Kost zu tun hat, bringt das Buch zwar gelesen, aber nicht genossen, zurück. So geschehen auch mit der zweiten und dritten Lektüre. Bis Norman, ein Küchenjunge, Fan von Autoren der homosexuellen Szene, sie langsam an das „richtige“, nämlich unterhaltende, spannungsreiche und neue „Lesen“ heranbringt. Die Erfahrung, dass Bücher einen vollkommen andere Welten eröffnen, vollkommen neue Charaktere erschließen lassen, macht sie bei der Lektüre von Kilvert und Carol, genauso wie bei Wilde und McEwan. Langsam entwickelt sie Empathie für ihre Mitmenschen, entwickelt eigene Gedanken zu dem Gelesenen, notiert sich Szenen, Sequenzen, Zitate, versieht sie mit eigenen Notizen, Kommentaren und Fragen. Geradezu obsessiv beschäftigt sie sich mit ihrem neuen Hobby – Die Paradekutsche verspätet sich regelmäßig, ihre Kleidung gebraucht sie mehrmals, auf Spaziergängen mit den Hunden ist sie kaum mehr anzutreffen und wenn nur mit Buch in der Handtasche oder in den Händen. Gespräche mit Ministern anderer Länder laufen nicht mehr nach geltenden Konventionen ab; nicht mehr das Wetter oder die Anfahrt ist das Thema zwanglosen Smalltalks, sondern Lieblingslektüren, Skandalautoren und Buch-Neuerscheinungen. Logischerweise bleibt diese Obsession, dieses Hobby nicht ohne Befürworter oder Feinde. Gerade im engsten Beraterkreis brodelt es, bricht die Queen doch palastinterne Regeln und Maßnahmen, die nicht nur ihr sondern auch ihren Mitmenschen das Leben erleichtern sollen. Und auch ihr neuer Lesegehilfe, Norman, ist kein gern gesehener Gast. Und doch setzt sie sich durch, über alle Schranken hinweg, bricht aus gegebenen Regeln aus, auf ihre Art und Weise, ohne Aufsehen zu erregen. Dies tut sie erst, als in ihr ein Plan reift nicht nur zu lesen, sondern durch dieses Lesen auch etwas voranzutreiben, fortzuschreiten, etwas zu verändern.
„Ein großes Lesevergnügen“ prophezeite Frau Heidenreich und das war es auch wirklich. Mit viel schwarzem Humor, immer einen Augenzwinkern beim Schreiben, liest sich diese kleine Hommage an das Lesen sehr flüssig, sehr locker und vor allem sehr witzig. Man kommt nicht umhin zu lachen, wenn Frau Königin den französischen Präsidenten nicht wie vorgesehen nach der Anreise fragt, sondern was er von einem Skandalautor des 19.Jahrhunderts weiß. Man fiebert mit, wenn Norman aus dem Umfeld der Queen „entfernt“ wird, ausgestoßen aus dem Kreis der Dienerschaft, die alles andere als Vorteile in der Lektüre ihrer Königlichen Hoheit sehen. Und hält schließlich den Atem an, wenn sie am Ende das verkündet, was aus ihrem Lesen und Schaffen resultiert.
Eine spannende, viel zu kurze Lektüre eines so guten, humorvollen Buches, welches einen mit viel Vergnügen einen Nachmittag lang begleitet. Witzig, kurzweilig, einfach eine kleine, wunderbare Geschichte aus dem Hause der Windsors.
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Gegenpositionen:
Mein Bücherreich
Papiergeflüster
Leselust
LeseLustFrust
El Tragalibros – Der Bücherwurm
Buch Blog
BLOØG
Liisas Litblog
Das Literaturblog
Nomadenseele
Buchbegnungen
(Rezension vom 27.September 2008)
[Literatur im Fernsehen] „Die Vorleser“ – Sendung vom 10.Juli 2009

„Die Vorleser“ – Amelie Fried und Ijoma Mangold
Die Vorleser, das sind Ijoma Mangold und Amelie Fried. Beide sind im Literaturbetrieb tätig – Sie bilden eine Antithetik, ein Gegensatzpaar, so zumindest erschien die Strategie des ZDF auf der einen Seite einen Literaturkritiker, tätig als Literaturkritiker und Feuilletonist bei der Süddeutschen Zeitung seit 2001, auf der anderen Seite eine Autorin, die die FAZ als „erfolgreiche Verfasserin von Frauenliteratur mit Herz“[1] bezeichnet. Erwünscht schien eine Mischung aus dem „Literarischen Quartett“ und „Lesen!“ – Kontroverse Diskussionen, Streitkultur in Höchstform über die „Ware Buch“ einerseits, andererseits der Charme einer Elke Heidenreich nur ein Buch in die Kamera zu halten und zu sagen „Lesen sie das! Es wird sie glücklich machen!“ Also das Ziel: Bücher vorstellen – „vorlesen“ – darüber diskutieren, vielleicht auch einmal einen Streitdiskurs wagen, aber vor allem natürlich für Bücher werben, den Zuschauer anstiften, ergo: Bücher verkaufen.
Von Anfang an wurde die Rollenverteilung der beiden Moderatoren deutlich. Ijoma Mangold zeigte Sachverstand, argumentierte auf hohem Niveau (bzw. versuchte seinen einstudierten Sätzen auf einem solchen Level zu präsentieren), war also die rationale, objektive, sachliche Instanz, während Amelie Fried die emotionale Seite repräsentierte, die Nähe zu den Figuren suchte, eine eher jugendlich-allgemeine Sprache wählte. Der Dialog wirkte konventionell, ruhig, zu höflich, zu distanziert, zu aufgesetzt, zu steif und starr. Es fehlte der Esprit, die Unmiitelbarkeit der Moderation, allzu einstudiert und auswendig gelernt wirkte das Gespräch.
Literaturkritik als Zusammenfassen von Inhalt, kurze, sehr unpräzise formulierte ästhetische Eindrücke[2]. Eine Diskussion über Buchinhalte, eine Empfehlung, basierend auf Ziel- bzw. Altersgruppe oder aber die Suche nach Konnotationen, Vergleiche der Darstellungen oder auch nur eine mehr sachliche denn persönliche Einschätzung – all das fehlt den „Vorlesern“. Die Bücher werden brav in die Kamera gehalten, Amelie Fried versuchte mehrmals die Rolle der Frau Heidenreich einzunehmen, in dem sie schwärmte: „Dieses Buch finde ich richtig toll.“ – Das Warum schien offensichtlich keinen zu interessieren.
„… und hopp, weiter zum nächsten Buch …“[3]
Vier Minuten für den doch interessant klingenden Roman „Weiße Geister“ von Alice Greenway. Sechs Minuten für Per Olev Enquist Autobiografie „Ein anderes Leben“. Zu wenig Zeit, so moniert bzw. notiert es die Süddeutsche Zeitung[4] und sagt:
„Trotzdem sollte man dankbar dafür sein, dass sich die öffentlich-rechtliche Anstalt überhaupt wieder eine Sendung leistet, die sich mit dem Quotenkiller Buch beschäftigt. Auch wenn dieses Kulturhäppchen in den späten Freitagabend zwischen Nachrichtensendung und Kochshow gezwängt wird.“[5]
Auf diesen Diskussionspunkt habe ich nur gewartet und findet auch Platz in einem 2-minütigem Beitrag. Der „arme Literaturbetrieb“, der keinen Weg mehr in die Kinderherzen findet. Die Kinder, die zwischen Legasthenie und Perspektivlosigkeit sich bewegen, in deren Elternhaus sich kaum mehr ein Buch befindet – Wer hätte das gedacht? Anstatt über Lösungsmöglichkeiten, Perseptkiven, Tendenzen zu berichten, über mögliche Hintergründe zu berichten und zu informieren, serviert man dem Zuschauer Allgemeinplätzchen, Informationen, die nicht einmal eine Schlagzeile wert sind. Dieses, ich kann es nicht anders nennen, „Geseiere“ ist kaum zu ertragen.
Die Bücherauswahl erscheint zumindest thematisch dem Bereich „Familie“ zugeordnet zu sein. Nicht uninteressant, diese Liste. Nicht unspannend die Auswahl, die sich zwischen Klassikern und Popkultur bewegt. Nur erscheint sie im Anbetracht des Themas sehr einseitig, sehr bieder, ohne „Ausbrüche“, ohne Beispiele, die hätten bewegen oder auch eine Kontroverse anregen können. Die Liste lässt zudem einen sehr kleinen zeitlichen Rahmen, von Erich Kästners „Als ich ein kleiner Junge war“ erschienen alle Bücher Ende letzten bzw. Anfang diesen Jahres. Warum hat sich Herr Claudio Armbruster, der für den Beitrag „Familie in der Literatur – Literatur in der Familie“ nicht eher damit beschäftigt einen chronologischen Überblick zu geben, wie sich Familie in den letzten 50 Jahren verändert hat, welche Vorstellungen und Perspektiven es gibt bzw. wie sich diese Veränderung in der Literatur niederschlägt?
Kurzum…
… Mein Interesse mich noch mit dem Gast Walter Sittler auseinanderzusetzen ist gering, meine Zeit investiere ich nach 14 Minuten Buchreklame, die keine Literaturkritik ist, und Buchreklame, die keine Literaturkritik ist, in eine sehr sinnvolle Beschäftigung: Lesen.
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[1] Abgewürgt aus dem Off von Sandra Kegel, 11.Juli 2009, F.A.Z.
[2] “ Sich-Buchinhalte-Nacherzählen kann tödlich langweilig sein.“ schrieb Nikolaos Georgakis in „Die Vorleser“ als Einschlafhilfe, 11.Juli 2009
[3] Wolfgang Tischer im Literaturcafé
[4] „Bis(s) zur Bestsellerliste“ von Lilith Volkert, 11.07.2009
[Zitate] Neil Gaiman: Coraline
„Fairy tales are more than true; not because
they tell us that dragons exist, but because
they tell us that dragons can be beaten.“
– G.K. Chesterton
aus: Neil Gaiman, Coraline, Wilhelm Heyne-Verlag, München, Juni 2009, S.6

